Der Winter in der Stadt des Frühlings

Kunming ist nicht nur im chinesischen Volksmund, sondern auf der ganzen Welt als die Stadt des Frühlings bekannt. Das ganze Jahr sollen hier angenehme Temperaturen herrschen, das ganze Jahr über sollen hier die Blumen blühen und so ziemlich alle Früchte wachsen. Doch jetzt, Ende November, kann ich Euch sagen, dass es so angenehm dann doch nicht jeden Tag ist. Auch in Kunming ist der Winter angekommen und es scheint so, als sei hier so niemand wirklich darauf vorbereitet. Zwar liegt die Durchschnittstemperatur bei über 15 Grad, doch dadurch, dass die Stadt so hoch gelegen ist, ist auch der Wetterumschwung sehr extrem und schnell.

Ist es bewölkt, so kann es hier schnell bis auf 2 Grad abkühlen, was sich ohne Heizung in der Wohnung und im Schulgebäude leider noch ein bisschen kühler anfühlt. Da das Warmwasser in diesem Teil Chinas durch Sonnenenergie beheizt wird, bedeutet ein bewölkter Tag leider auch eine kalte Dusche. Und so kann ich Euch ganz offen sagen, dass die bewölkten, kalten Tage nicht wirklich zu meinen liebsten Tagen zählen. An Wintertagen hört man zudem nicht selten: „Heute ist es einfach zu kalt!“ , als Ausrede für so ziemlich jede Situation: ob Jemand zu spät oder gar nicht zum Unterricht erscheint, ob jemand keine Hausaufgaben gemacht hat oder im Unterricht unkonzentriert ist, an Wintertagen ist die Lehrerin sehr nachsichtig. Niemand scheint mit diesen Temperaturen, die für unseren Winter sehr normal sind, umgehen zu können und so werden wir immer wieder darauf hingewiesen uns bitte wärmer zu kleiden, um uns nicht zu erkälten. Darüber lächeln meine russischen Klassenkameraden nur müde und laufen weiter im T-Shirt rum. Da ich aber eher zu der Kategorie Frostbeule gehöre, bin ich sehr froh, dass hier überall Heizkissen in allen möglichen Größen verkauft werden, sodass man in einer besonders kalten Nacht ohne Heizung nicht zu frieren braucht. An die kalten Duschen am Morgen werde ich mich trotzdem nicht gewöhnen.

Kommt die Sonne aber raus, dann wärmt es sich hier sehr schnell auf und die Temperaturen steigen auf über 20 Grad. So passiert es schon mal gerne, dass man an einem Tag noch mit Winterjacke gefroren hat und am nächsten Tag im T-Shirt in der Sonne sitzt und einen Sonnenbrand bekommt. Diesen nehme ich aber gerne in Kauf, wenn ich so zumindest jede Sonnenstunde meiner Freizeit auskosten konnte. Zum Glück haben die schönen, warmen Tage im Moment Oberhand und so hält man auch mal ein paar Wintertage mit kalten Duschen aus. Schließlich weiß mann, dass die Sonne bald wieder kommt!

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Rotschnabelmöwen

Für Zugvögel ist Kunming wegen der schönen, sonnigen Tage ein sehr beliebtes Winter-Resort und ziehen so jährlich hunderte Schaulustige an. Die Einheimischen freuen sich sehr über die Gäste, füttern sie mit Brotkrumen und imitieren ihre Schreie, um den ganzen Schwarm auf einmal fliegen zu lassen.  Da ich direkt am Greenlake wohne, sehe ich nun jeden Tag das Spektakel der aus Sibirien kommenden Rotschnabelmöwen, die kreischend Essen ergaunern und die spektakulärsten Flugmanöver hinlegen. Mir persönlich gefällt diese neue Atmosphäre sehr gut und ich gehe noch lieber zum See, genieße die Sonne, beobachte die Möwen,  füttere sie. Und wenn all diese Vögel an dem Ort überwintern, an dem ich wohne, dann wäre es doch gelacht, wenn ich die paar kalten Duschen dieses Jahr nicht aushalten würde!

 

Kategorien Leben in ChinaSchlagwörter , , ,

1 Kommentar zu „Der Winter in der Stadt des Frühlings

  1. sehr schöner Bericht, danke!

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