Huangshan 黄山

Nach einer gefühlt sehr kurzen Nacht in einem Schlafwaggon der Holzklasse kamen wir in der Morgendämmerung in Huangshan (黄山市) an. Glücklicherweise lag unser Hostel direkt am Bahnhof, sodass wir sofort einchecken und duschen konnten, bevor es dann weiter auf einen Tagesausflug ging. Die Schlechtwetterfront schien uns seit Shanghai zu verfolgen, doch von ein bisschen Nieselregen lässt sich ein richtiges Öcher Mäddche nicht abschrecken und nach der Verschmutzung in Suzhou genoss ich die frische Luft dort sehr. An der Rezeption organisierten wir die kommenden zwei Tage in den Bergen, reservierten uns Betten in einem Hostel auf dem Gipfel und buchten alle nötigen Busse, um das Westtor des Berges zu erreichen.

Danach ging es los aufs Land, denn im Umkreis der Stadt Huangshan kann man sehr schöne altertümliche Dörfer besuchen, die regelmäßig von zahlreichen Bussen angesteuert werden. Der Busbahnhof liegt direkt neben dem Bahnhof der Züge und beim Betreten wird man schon gleich gefragt, wo es hingehen soll und einem Bus zugeteilt. Uns wurde im Hostel das Dorf Hongcun (宏村) empfohlen, da dort die Architektur der kleinen Häuser besonders schön und typisch für die Provinz Anhui sein soll. Eine Fahrt kostet 15 Yuan und dauert ca. eine Stunde. Um das Dorf betreten zu dürfen, müssen nochmal 52 Yuan gezahlt werden. Als wir das Eingangstor passierten und an einen mondsichel-förmigen See gelangten, der den südlichen Teil des Dorfes einkreist, war ich gar nicht mehr traurig über das Wetter, denn die tief hängenden Wolken, die Spiegelung der Häuser in der so stillen und glatten Wasseroberfläche gaben diesem Ort für einen Moment etwas wahrhaft Magisches. IMG_0229

Das Dorf besteht aus kleinen, verwinkelten Gassen, die ein manchmal verwirrendes Labyrinth bilden. An den Seiten laufen kleine Kanäle ab, scheinbar war dies die Kanalisation hier. Abgesehen von ein paar Feldern in und im Umkreis des Dorfes ließ allerdings nicht viel darauf schließen, dass hier noch Menschen leben, die nicht am Tourismus verdienen. Die meisten Häuser waren zu Souvenir-Shops, Hotels oder Restaurants umgebaut worden und auch die roten Laternen, die hier an jeder Ecke hingen, waren brandneu und ziemlich touristisch. Trotzdem war es interessant sich die so alte Architektur einmal anzuschauen und ins Innere einiger denkmalgeschützter Häuser zu blicken.

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Guoba (锅巴)

Zur Mittagszeit kehrten wir dann in ein kleines Restaurant in einer Seitengasse ein und probierten die örtlichen Spezialitäten. Die Gegend um Huangshan ist besonders bekannt für seine Guoba Gerichte (锅巴). Dies ist krosser Reis, der in gekochtem Zustand in einem Wok angebraten wird und so die Form einer Halbkugel annimmt. Die dickere Sauce, die dazu gegessen wird, besteht zum größten Teil aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Ein wenig erinnerte mich der Geschmack an Reis Cracker und ich muss sagen, dass ich Guoba ziemlich lecker finde! Schade, dass es dieses Gericht in Yunnan nicht zu essen gibt.

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Am nächsten Tag ging es dann um 6 Uhr mit dem ersten Bus zum Westeingang des Huangshan Berges. Mit uns nahmen nur noch zwei Amerikaner und ein Chinese diesen Bus und da wir uns alle auf Anhieb verstanden, beschlossen wir den Berg gemeinsam zu erklimmen. Als Ausländer muss man in der Nebensaison keinen Eintritt in das Naturgebiet zahlen und so kaufte nur unser chinesischer Freund ein Ticket für 150 Yuan. Auch an diesem Tag war das Wetter nicht besonders berauschend, doch zwischen den Wolken und Nebelfelder, die langsam zu den Bergspitzen hinauf krochen, konnten wir diese immer noch gut erkennen und wieder trugen sie zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei. IMG_0315Auf unserem Weg nach oben trafen wir immer wieder auf Männer, die auf einem Stock balancierend große Pakete die Stufen hoch schleppten: eine wahre Knochenarbeit! Beim Vorbeigehen erkannte ich, dass die meisten Gemüse oder Handtücher schulterten und ich fühlte mich gleich ein wenig schuldig, denn diese Männer schleppten grade wohl mein Abendessen zu dem Hostel auf die Bergspitze – etwas anderes gab es dort oben nämlich nicht. Wieso diese Dinge nicht mit der Seilbahn hoch transportiert werden, ist mir ein Rätsel, aber vermutlich geht es mal wieder um Arbeitsplatzverschaffungsmaßnahmen, wie so oft in China.

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Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Je näher wir der Spitze des Berges kamen, desto schlechter wurde allerdings auch das Wetter und irgendwann schlug der feuchte Nebel in andauernden Regen um, sodass ich die Gelegenheit an einem kleinen Stand nutzte und mir ein Regencape kaufte, um nicht ganz durchzufrieren. Dort oben war es zudem auch noch kalt und windig und meine Motivation sank so wirklich rasant. Von der grandiosen Aussicht, die wir uns hier erhofft hatten war weit und breit keine Spur, stattdessen fanden wir uns in Massen von Touristen wieder, denn mittlerweile hatten wir die Höhe erreicht, auf die man mit dem Lift gebracht wird und so gesellten sich auch die zahlreichen „faulen“ Menschen zu uns. Von diesem Punkt aus brauchten wir noch fast geschlagene 3 Stunden, bis wir endlich unser Hostel ganz durchnässt und müde erreicht hatten. Dort wartete zum Glück eine heiße Dusche und kühles Bier auf uns und wir verbrachten einen schönen Nachmittag zusammen. Dass wir so nette Menschen auf unserer Reise getroffen haben, war wirklich eine Bereicherung für diesen ansonsten etwas ernüchterten Tag. Am nächsten Morgen wollten wir um 5 Uhr aufstehen, um den Sonnenaufgang zu beobachten und wir beteten alle, dass sich die vielen Wolken bis dahin ausgeregnet hatten und verschwunden waren!

Und wer hätte es gedacht, dass wir doch wirklich einmal Glück mit dem Wetter haben werden?! Unsere Gebete waren erhört worden, die hohen Wolken waren verschwunden, übrig geblieben war nur noch ein tief hängendes Wolkenmeer über dem wir die aufsteigende Sonne bestens beobachten konnten. Ein wirklich unfassbar schöner und außergewöhnlicher Start in den Tag!

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Den gesamten Vormittag blieb das Wetter und die Sicht gut und wir machten uns weiter auf den Weg durch das Gebirge zum Ostausgang des Gebietes. Obwohl einige sehr hoch gelegene Teile des Bergs aufgrund von Glätte im Winter geschlossen sind, kann man zahlreiche interessant geformte Felsen ansteuern und eine grandiose Aussicht genießen. Jetzt, bei gutem Wetter und diesem Blick, konnte ich plötzlich verstehen, wieso alle Chinesen so viel und gerne vom Huangshan und seiner Schönheit reden!

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Hat man eine klare Sicht dort oben, macht der Huangshan seinem Ruf alle Ehren und sollte wirklich auf jeder Liste einer Chinarundreise stehen. Allerdings ist dieser Ort an chinesischen Feier- und Ferientagen möglichst zu vermeiden, denn schon jetzt in der Nebensaison wurde es an manchen Stellen ziemlich eng und ich mag mir gar nicht ausmalen, wie voll, anstrengend und laut es dort in der Hauptsaison sein muss!

Morgen geht es weiter in die Stadt Hangzhou, die neben Souzhou laut Chinesen der Himmel auf Erden sein soll. Wenn einem so viel versprochen wird, sind die Erwartungen groß. Bald werdet ihr erfahren, ob sie erfüllt werden konnten.

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