Die Reisterrassen von Yuangyang (元阳): chinesisches Paradies oder Müllhalde?

Von Jianshui ging es dann weiter aufs Land, noch weiter in den Süden in einen kleineren Ort namens Yuanyang (元阳), dessen Umgebung besonders für seine schönen Reisterrassen bekannt ist. Da dessen Felder im März und April noch voller Wasser stehen und so die Farben ihrer Umgebung und des Himmels widerspiegeln, gelten sie in dieser Zeit als besonders sehenswert. Da Yuanyang nicht sonderlich hübsch ist, empfiehlt es sich dort direkt einen Minibus für 15 Yuan pro Person zu nehmen, um so eines der zahlreichen umliegenden Dörfer zu erreichen und dort zu übernachten. So kann man außerdem sowohl den Sonnenaufgang, als auch den Sonnenuntergang in der Natur genießen. Wir kamen in Belinda Backpacker’s Guesthouse in Duoyishu (多依树) unter und ich kann euch diese Unterkunft nur wärmstens empfehlen. Die Besitzerin überbietet jede Gastfreundlichkeit, die wir in China bis jetzt erfahren haben durften und kümmert sich beispielsweise zu jeder Tages- und Nachtzeit um einen Minibus, wenn man sich bei einer kleinen Querfeldein Wanderung dann doch mal verlaufen hat. (Eine gute Pfadfinderin wird aus mir in diesem Leben wohl auch nicht mehr.) Außerdem gibt es ein kleines Restaurant im Erdgeschoss, das nicht nur unfassbar große, sondern auch sehr leckere und für Vegetarier geeignete Gerichte zaubert. Dies ist besonders auf dem Land in China wirklich nicht üblich und ich war dankbar nicht bei jeder Mahlzeit Fleischstückchen aus meines Essen pulen zu müssen.IMG_1363

Da die Anreise wegen eines Unfalls auf der Landstraße doch länger dauerte als geplant, hatten wir letztendlich einen kompletten Tag vor Ort, an dem wir natürlich so viel wie möglich sehen wollten. Deshalb entschlossen wir uns die üblichen Touristenrouten außen vor zu lassen und einfach drauf los zu laufen, um die Natur richtig genießen zu können. IMG_1296Wenn man sich allerdings von den, für den Tourismus hergerichteten Wege entfernt, bemerkt man Vieles, das das Bild der wunderschönen Idylle Yuanyangs bröckeln lässt. Überall war Müll achtlos in die Felder und Flüsse geworfen wurden. Neben Bierflaschen und allerlei Verpackungen lagen dort auch veraltete Elektroteile wie Reiskocher oder Küchenzubehör wie Töpfe und Pfannen. Dies lässt darauf schließen, dass dieser Müll nicht allein vom Tourismus verschuldet wurden sein konnte. Manche Bachläufe waren so vollgemüllt, dass das viele Plastik als eine Art Staudamm fungierte. Streunende Tiere suchten besonders an diesen Stellen nach Futter und ich hoffte einfach inständig, dass sie keine der vielen Verpackungen verschlucken würden.

Einer dieser Streuner gesellte sich für einige Stunden zu uns, zeigte uns sozusagen den besten Weg durch die Felder.

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mein neuer Kumpel und ich

Wann immer wir ein Dorf passierten, merkte ich wie friedlich alle Tiere miteinander umgingen. Alle schienen sich hier gegenseitig zu achten und irgendwie harmonisch nebeneinander zu leben.

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sieht bequem aus

So sah ich beispielsweise auch, wie ein schlafendes Schwein von seinem Hunde-Kumpel mal eben als Matratze genutzt wurde. Ein wirklich witziger Anblick! Da gerade Frühling ist, haben wir außerdem erstaunlich viele Junge gesehen. Doch egal wie süß sie  auch waren, so sollte man sich von ihnen am besten fernhalten, schlagen ihre Mütter doch schon bei der kleinsten unbewussten Bewegung in ihre Richtung Alarm. Nur einen Welpen durfte ich für einen Moment auf den Arm nehmen, nachdem ich mich mit seiner Mutter angefreundet hatte und diese ein paar Minuten ausgiebig gestreichelt hatte. Sein Herrchen kam daraufhin sofort auf mich zu und bot mir den Welpen zum Verkauf an: für 50 Yuan dürfte ich ihn mit nach Hause nehmen. Beim Blick in seine große Kulleraugen ist es mir wirklich nicht leicht gefallen dieses Angebot auszuschlagen, doch manchmal muss zur Abwechslung nun einfach mal die Vernunft siegen und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Eltern sehr dankbar dafür sind, dass ich kein lebendiges Souvenir mit aus China bringe. (Jedenfalls sieht es bis jetzt sehr danach aus.)

In den kleinen, vom Tourismus „verschonten“ Orten spürte man außerdem ziemlich schnell, dass Armut hier noch eine große Rolle spielt. Viele Kinder waren schmutzig und trugen alte, durchlöcherte Kleidung. Als mich zwei kleine Mädchen im Grundschulalter sahen, zupfte die ältere der jüngeren noch die Haare schön zurecht, wischte ihr mit etwas Spucke Dreck aus dem Gesicht, sie stellten sich aufrecht in eine Reihe und fragten mich nach Geld. Das brach mir ein wenig das Herz, war es doch das erste mal, dass ich von Kindern angebettelt wurde. Natürlich weiß man nie, wie arm die Verhältnisse wirklich sind, in denen die Menschen dort leben. Vielleicht haben die Kinder einfach sehr viel Spaß daran im Dreck zu spielen, so wie es sich für Kinder ja eigentlich gehört und vielleicht wollten sie sich auch nur ihr Taschengeld aufbessern, um sich im örtlichen Kiosk etwas Süßes zu kaufen. Doch den wenigen Blicken ins Innere ihrer Häuser und dem allgemeinen Anblick ihres Äußeren nach zu urteilen, war es die ärmste Gegend, die ich in China bisher gesehen habe.

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Ich habe an diesem Wochenende also wirklich ein paar Schattenseiten des Landes zu sehen bekommen. Schattenseiten, die trotz allem zu diesem Land gehören und die nicht ungesehen bleiben sollten. Umso wütender machte mich dann aber die harmonische Darstellung der naturverbundenen Lebensweise der Einheimischen in den bei Touristen bekannten Orten. So wurden die durch dieses Dorf fließenden Bäche mehrmals als „heiliges Wasser“ bezeichnet und die heutzutage immer noch so große Bedeutung ihrer Reinheit betont. Diese Gewässer waren auch makellos und man bekam wirklich den Eindruck, dass Umweltverschmutzung hier allein auf Grund kulturellen Aspekten verhindert wird. Doch nachdem ich nur wenige Kilometer zuvor die achtlos verschmutzten Bachläufe gesehen hatte, konnte ich dies nicht mehr Ernst nehmen.

Man kann locker mehr als einen halben Tag damit verbringen durch die Felder zu spazieren und die umliegenden Dörfer zu passieren. Wenn man sich dann auch noch etwas verläuft ist ein Tag schnell rum. Dessen Ende kann man besonders schön mit einem Sonnenuntergang in den Feldern beenden. Hierzu empfiehlt es sich allerdings auf einen Besuch der für Touristen errichteten Terrassen mit einem Eintrittspreis von stolzen 100 Yuan zu verzichten und sich stattdessen ganz kostenlos einfach einen schönen Platz in den Feldern zu suchen. Einer der besten Orte, um den Sonnenuntergang zu betrachten liegt in dem Dörfchen Bada (坝达). Lasst euch einfach an den Eingang der Aussichtsterrasse fahren und lauft dann etwas 300 Meter zurück, immer der Straße nach. Dort müsstet ihr einen kleinen Weg sehen, der euch bergab direkt zu einem Platz führt, der nur wenige Meter neben der Aussichtsterrasse liegt und einen fast identischen Ausblick bietet: wieso also für irgendetwas Geld ausgeben, das man genauso gut umsonst haben kann?

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leider etwas bewölkt

Insgesamt war es ein schöner Aufenthalt in Yuanyang und bei einem Auslandsaufenthalt in China gehört ein Besuch der Reisterrassen doch irgendwie dazu, oder nicht? Doch egal wie schön die Ausblicke dort in den Feldern waren, so werde ich den Anblick der Verschmutzung dort niemals ganz vergessen und so wird dieses Bild der Idylle immer einen leicht bitteren Beigeschmack für mich haben. Aber wie heißt es so schön: es ist nicht alles Gold, das glänzt und ich bin froh diese Schattenseite Chinas gesehen zu haben. Deswegen mein kleiner Reminder an euch:  bitte schmeißt euren Müll in die Tonne und nicht auf den Boden, denn sowas wie dort oben auf den Bildern möchten wir in Zukunft doch so gut es geht vermeiden, oder nicht?

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1 Kommentar zu „Die Reisterrassen von Yuangyang (元阳): chinesisches Paradies oder Müllhalde?

  1. Christa Hallmann 18. April 2018 — 11:24

    Liebe Carolin, wenn es sich dann doch nicht vermeiden lässt, dass du etwas lebendiges aus China mit nach Hause bringst, dann bring doch bitte ein Schwein mit! Damit vertragen sich unsere Hunde besser, als mit einem weiteren Hund! 🙂
    LG Mama

    Gefällt 1 Person

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