Heilfasten – mein Erfahrungsbericht

„Mehrere Tage keine Nahrung zu sich nehmen – geht das überhaupt?“

Diese Frage habe ich mir bisher jedes Mal gestellt, wenn ich vom Fasten gehört habe.
Ob es geht, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt zwar immer noch nicht, aber inzwischen steht fest, dass ich es in ein paar Tagen wissen werden, denn ich werde es diese Woche in Angriff nehmen und drei Tage die Heilfasten-Methode nach Buchinger ausprobieren.

Wer sich mit den verschiedenen Fasten-Methoden etwas auskennt wird jetzt hellhörig werden und nicht zu Unrecht anmerken, dass man beim Fasten nach Buchinger aber doch mindestes fünf Tage auf Nahrung verzichten sollte. Wenn du einer dieser Menschen bist, dann kann ich dir jetzt guten Gewissens sagen: „Stimmt, du hast Recht.“

Neben meiner Euphorie und Neugierde fürs Fasten steht nämlich auch die Angst vor den Fastentagen mit im Raum.
Wie anstrengend werden sie wirklich?
Werde ich noch normal arbeiten können?
Wird es mir gut gehen oder schlägt die fehlende Nahrung vielleicht doch auf meine Laune oder auf den Kreislauf?
Nach vielem Hin und Her habe ich mich deshalb auf eine Fastenkur über drei Tagen entschieden. Drei Tage Fasten klingen für mich nämlich nicht nur nach einem gelungenen Kompromiss, sondern auch nach einem leichteren Start in die Welt des Fastens.

Vielleicht fragst du dich aber trotzdem, wieso ich das überhaupt ausprobieren möchte?
Zum Einen soll Heilfasten vorbeugend gegen einige schwere Krankheiten wirken, zum Anderen aber auch beispielsweise chronische Entzündungen im Körper lindern. Da ich phasenweise morgens oft mit Magenschmerzen aufwache und mir bisher kein Arzt und keine Ernährungsberatung wirklich langfristig helfen konnte, möchte ich meinem Magen in diesen Tagen einfach einmal eine Auszeit geben, sodass ich danach vielleicht wieder ein paar Monate Ruhe habe.

Aber wie laufen die Fastentage denn überhaupt ab und was steht statt den üblichen Nahrungsmitteln alles auf dem „Speiseplan“?

Ablauf und Ernährungsplan

Die Entlastungstage

In den zwei Tagen vor dem eigentlichen Fasten bereite ich meinen Körper schon mal langsam auf die bevorstehenden Tage vor. In dieser Zeit esse ich gedämpften Reis oder Kartoffeln mit Gemüse und zu meinem Bedauern ist auch Kaffee tabu. Da ich normalerweise jeden Morgen mindestens eine Tasse Kaffee trinke, habe ich schon weitere zwei Tage davor meinen Kaffeekonsum langsam heruntergefahren – das waren sozusagen meine persönlichen Vorbereitungstage für die Vorbereitungstage.
So hoffe ich wenigstens die Kopfschmerzen, die auf Grund des Koffeinentzug auftreten können nicht zusätzlich mit in die Fastentage zu schleppen.

Fastentage

Wie oben schon beschrieben, dauern die reinen Fastentag nach Buchinger eigentlich fünf oder sieben Tage lang.
An diesen Tagen startet man mit 250ml Ingwertee in den Tag.
Mittags stehen 250ml frisch gepresster Frucht- oder Gemüsesaft auf dem „Speiseplan“ und abends gibt es 250ml selbst-gekochte Fastenbrühe. Das Rezept dazu verlinke ich euch hier. Außerdem muss zwischendurch immer ausreichend Wasser und Tee getrunken werden, damit der Körper hydriert bleibt. Insgesamt solltest du 1 Liter am Vormittag und 1 Liter am Nachmittag trinken. Ich habe aber meist fast das Doppelte getrunken und mich damit sehr wohl gefühlt.

Das Fastenbrechen

Wenn du die Fastentage hinter dir hast, brichst du dieses traditionell mit einem frischen Apfel. Ich werde zu einem trockenen Brötchen greifen, da ich Äpfel auf leeren Magen nicht besonders gut vertrage. Danach solltest du dir eher leicht verdauliche Lebensmittel wie Kartoffeln, Gemüse, etwas Reis und Co. zubereiten, denn dein Körper muss sich erstmal wieder daran gewöhnen feste Nahrung zu verdauen. Du hörst also genau so langsam mit dem Fasten auf, wie du es begonnen hast.

Mein Fasten-Tagebuch

Tag 1

Ich wachte hundemüde vom Klingeln meines Weckers auf und während ich mir noch den Schlaf aus den Augen wischte, fiel mir prompt ein wieso ich nicht ausgeschlafen war: das Glaubersalz, das ich am Abend zuvor zur Darmentleerung genutzt hatte hat bei mir leider nicht, wie in der Packungsbeilage beschrieben nach 4, sondern erst nach 12 Stunden gewirkt und mich somit die halbe Nacht wachgehalten: so hatte ich mir die erste Nacht meiner Fastenkur auf jeden Fall nicht vorgestellt.
Nachdem ich mich irgendwie aus dem Bett gekämpft hatte und einen Ingwer-Tee zum Frühstück getrunken hatte, wurde mir dann aber schön warm und ich spürte nach und nach sogar die Motivation in mir aufkommen ein bisschen Yoga zu machen. In diesem Moment war ich sehr froh, dass ich den Koffeinentzug bereits hinter mir hatte, denn in den ersten Tagen ohne Kaffee war mit mir in den ersten Stunden des Tages nicht wirklich viel anzufangen gewesen.

Der Vormittag lief dann richtig gut. Ich spürte kaum Hunger, fühlte mich hellwach und nach dem frischgepressten Orangensaft am Mittag empfand ich sogar eine ganz bewusste Sättigung. Da man mir im Vorfeld berichtet hatte, dass der erste Tag meistens der schwerste war, fühlte ich leise Erleichterung in mir aufkommen. So schlimm war es bisher nämlich wirklich nicht gewesen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, dass ich diesen Gedanken in ein paar Stunden bereuen würde, denn wie heißt es so schön: man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Gegen Nachmittag setzte nämlich dann ein Hungergefühl ein, das auch durch die Brühe am Abend nicht wirklich kleiner wurde. Ich trank Unmengen an Tee, um meinen Magen so wenigstens ein bisschen zu füllen und versuchte mich mit einem Serienabend abzulenken.

Ist euch schon mal aufgefallen wie oft Menschen in Serien oder Filmen essen? – Ich kann es euch sagen: sie essen ständig! Und jedes Mal, wenn ich eine Portion Nudeln, einen Donut oder sonst etwas gesehen habe, stellte ich mir in der nächsten halben Stunde immer wieder vor, wie lecker es wohl sein würde so etwas auch zu essen. Dass das nicht wirklich gegen meinen Hunger half ist wohl wahrscheinlich für niemanden überraschend. Schließlich entschloss ich mich dann einfach früh ins Bett zu gehen, denn Schlaf würde sicher gegen das Hungergefühl helfen.

Tag 2

Am zweiten Tag stellte ich noch im Bett zufrieden fest, dass sich das Hungergefühl tatsächlich eingestellt hatte. Nachdem ich dann aber aufgestanden war, bemerkte ich schnell, dass das vermutlich auch daran liegen könnte, dass mein Körper gerade mit etwas Anderem zu kämpfen hatte: mein Kreislauf war nicht besonders auf der Höhe und mir wurde im Stehen direkt schwindelig.
Ich schaffte es gerade so auf mein Sofa, von wo aus ich den Tag dann einfach ganz in Ruhe startete. Zum Glück war heute Samstag und somit hatte ich keine Verpflichtungen.
Nach einem Teelöffel Honig in meinem Ingwertee, der mir bei Kreislaufbeschwerden empfohlen wurde, ging es dann zum Glück wieder bergauf und ich beschloss zu meinem Pferd zu fahren. Ein bisschen frische Luft würde mir gut tun. Am Ende setzte ich mich zwar dann doch nicht drauf, weil mir das tatsächlich ein bisschen zu gewagt erschien, aber die leichte Bewegung und die Kälte gaben mir neue Energie.
Gegen Nachmittag ging es mir dann noch besser. Ich hatte gute Laune und auch das Hungergefühl trat in den Hintergrund. Trotzdem ließ ich den Tag ganz gemütlich und ruhig ausklingen – man soll es ja trotzdem nicht übertreiben.

Tag 3

Der dritte Tag war wohl mit Abstand der leichteste der Fastentage. Ich hatte weder Kreislaufbeschwerden, noch Hunger und fühlte mich einfach gut.
An diesem Morgen entschloss ich mich sogar dazu eine kurze Runde ausreiten zu gehen. Zwar war Bewegung für mich an den Fastentagen einfach anstrengender als sonst, aber ich fühlte mich auf jeden Fall stark genug dafür. Außerdem waren der Wald und die frische Luft einfach wohltuend.
Gegen Nachmittag kam dann noch eine Freundin vorbei, wodurch die Zeit wie im Fluge verging. Erst kurz vor meiner Abend-Brühe spürte ich wieder etwas Hunger in mir aufkommen, der nach der Mahlzeit aber tatsächlich gestillt wurde. Mittlerweile machte es mir auch nicht mehr wirklich etwas aus, wenn ich Menschen essen sah oder das Essen meines Freundes roch.
Vielleicht lag es daran, dass sich mein Körper inzwischen umgestellt hatte, vielleicht lag es aber auch an der Gewissheit, dass ich schon am nächsten Morgen wieder etwas essen würde.
Abends ging ich mit einem guten Gefühl ins Bett, denn ich hatte es geschafft: morgen Früh würde ich als erstes zum Bäcker fahren und mir ein frisches Brötchen zum Fastenbrechen besorgen.

Aufbautage und Resümee

Es fühlte sich fast merkwürdig an in das trockene Brötchen zu beißen. Der Geschmack war dafür umso besser. Generell schmecken die Lebensmittel für mich nach dem Fasten viel intensiver, ich brauche nicht so viele Gewürze und genieße meine Mahlzeiten wieder mehr. Ich glaube so bewusst wie momentan habe ich in meinem Leben fast noch nie gegessen.
Für mich ist das wahrscheinlich auch das größte Learning: ich sollte mir langfristig wieder viel bewusster vor Augen führen was ich esse und wie es schmeckt. Manchmal esse ich nämlich dann doch vor dem Laptop während ich arbeite oder vor dem Fernseher, obwohl ich es ja eigentlich besser weiß.

Ich bin außerdem ziemlich beeindruckt von meinem Körper und davon was er jeden Tag leistet. Mir das noch einmal so bewusst vor Augen zu führen, hilft mir sehr meinen Körper noch wertschätzender zu behandeln.
Ob meine Magenschmerzen in den nächsten Wochen und Monaten ausbleiben, muss ich jetzt aber erstmal abwarten. Ich glaube davon hängt auch ab, ob ich wieder eine Fastenkur planen werde. Tatsächlich ist es jetzt nicht so, dass ich die Kur gerne jedes Jahr machen würde. Wenn es sich aber zu einem Toll entwickelt, mit dem ich meine körperlichen Beschwerden in den Griff bekomme, dann wäre ich dazu durchaus bereit.

Hast du Erfahrungen mit Heilfasten? Teile sie doch gerne in den Kommentaren. Ich freue mich über den Austausch.

Disclaimer: Diese Beschreibung ist keine vollständige Anleitung zum Heilfasten und ersetzt auf keinen Fall, dass du dich ausführlich informierst, mit deiner Ärztin / deinem Arzt sprichst oder Fachliteratur zum Thema liest, bevor du selbst fastest. Der Bericht spiegelt ausschließlich meine persönliche Erfahrung wieder. Es kann also gut sein, dass du ganz andere Erfahrungen machst als ich. Heilfasten sollte außerdem nicht dazu genutzt werden, um abzunehmen. Heilfasten ist eine Kur und keine Diät. Bitte sei achtsam mit dir und gut zu deinem Körper.

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